Am 29.05.2026 wurde Frau Prof. Martina Rauchfuß offiziell das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Es war eine wirklich gelungene Veranstaltung. Zunächst die offizielle Verleihung durch die Senatorin für Gesundheit, Soziales und Pflege Ina Czyborra, die in ihrer Rede deutlich gemacht hat, für wie wichtig und bedeutend sie selbst die psychosomatische Frauenheilkunde hält – wirklich schön.
Anschließend gab es eine kleine Feier mit vielen Wegbegleiter*innen.
Hervorzuheben ist neben der Freude über diese Würdigung, ganz persönliche Freude für und über Martina Rauchfuß, auch der gesellschaftliche Wert dieser Ehrung, der sehr beeindruckt und ein positives Signal für die Frauengesundheit darstellt.
Dies war auch die Intention von Bernd Bergander, der den Vorschlag eingereicht hatte. Es ging ihm um die Frage, wie gesellschaftliches Engagement sichtbar gemacht werden kann, und wie ein Zeichen gesetzt werden kann für ein menschliches, einander zugewandtes Miteinander in Zeiten, in denen sich häufig sehr Vieles als “Gegeneinander” anfühlt. Hier erschien es ihm dann naheliegend, das so vielfältige Wirken von Frau Prof. Rauchfuß zu würdigen.
Wir freuen uns sehr, dass das Gelungen ist.
Herzlichen Glückwunsch!
Laudatio zur Verleihung des Bundesverdienstordens am Bande an
Frau Prof. Martina Rauchfuß am 29.05.2026
Dorothee Kress
Martina Rauchfuß bekommt das Bundesverdienstkreuz.
Ich habe selten ein so bedingungsloses Einverständnis einer Ehrung gegenüber empfunden, wie in dieser Situation, als ich von ihr selbst in ihrer bekannten Zurückhaltung diese Information bekommen habe. Kein Hauch von Triumph, von Ehre heischen, sondern eher Erstaunen, fast schon Verblüffung. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wer mich vorgeschlagen hat” war einer der Sätze, die sie sagte, worauf ich nur antworten konnte: „Es ist sehr angemessen, dass Dir diese Ehre zuteil wird.“
Ich kenne wenige Menschen, die so intrinsisch an der Qualität der ärztlichen Versorgung, der Anerkennung der Nichttrennbarkeit von Soma und Psyche und der Notwendigkeit des Patientenkontaktes auf Augenhöhe interessiert sind und sich dafür einsetzen.
Martina, Dein Name wird immer dann genannt, taucht besonders in Zusammenhängen auf, in denen tatsächlich etwas passiert. Nicht, wenn es darum geht, was man ist oder vollbracht hat, sondern in Zusammenhängen, bei denen man schnell spürt, dass ein echtes Engagement nicht nur verbal geäußert wird, sondern häufig zu Handlungen und vor allem zu nachhaltigen Ergebnissen führt.
Um dies zu erreichen zählt das Dranbleiben nach den publikumswirksamen Worten, das Erkennen von Wesentlichem, aber auch das Umsetzen der Dinge in die Alltagsarbeit, um sie zu integrieren.
Beispielsweise bei einer DGPM-Sitzung hast du dich sofort bereit erklärt, dich um die Unterstützung der jungen, ein bisschen belächelten Ärzt*innen zu kümmern, weil du sofort erfasstest, was für eine Riesenchance das ist, den Nachwuchs früh zu erreichen für deine Ideen, für deine Forderungen an eine menschliche, menschenorientierte, Patienten wertschätzende Medizin.
Zu deinem Interesse an der Ausbildung junger KollegInnen gehörte die universitäre Ausbildung dann genauso wie die vielen Schritte der Alltagsarbeit in Gremien, Konfliktmanagement mit Behörden und ein offenes Ohr für die Krisen und Konflikte der Auszubildenden.
All diese Erfahrung hat zusammen mit deiner Persönlichkeit zu einem weiteren Ausbildungsbaustein geführt, in dem ich dich kennenlernen und erleben durfte, was dich so einzigartig macht und worin meiner Ansicht nach deine unglaubliche positive Wirksamkeit liegt.
Die Gründung des WIPF war eine Herausforderung.
Eine nicht so sichtbare aber genauso große Herausforderung war das Halten, das alltägliche Halten, das alltägliche Erarbeiten und Ausfüllen des für die Institutserhaltung Notwendigen. Die Mitarbeitenden und die Menschen in Ausbildung immer wieder davon zu überzeugen, dass es einen Ort für Frauengesundheit geben kann, an dem es nicht gilt, Dinge als logischen nächsten Karriereschritt zu erlernen, sondern ein tiefes Verstehen und Wertschätzen der Arbeit im Sinne der psychosomatischen Grundhaltung als Ergänzung zum vorhandenen Fachwissen zu erwerben.
Das ist gelungen. Ich schätze dich seit vielen vielen Jahren als jemand, die eine sehr stabile Mischung aus Vertrauensbildung und professioneller Distanz aufrecht erhält.
Die sich nicht verliert in den Versuchungen des Kontaktes z.B. der Ego-rangeleien, die so oft auch den fachlichen Informationsfluß behindern; deine Triebfeder ist auch nicht das Sich-Wichtig-Fühlen und das Unentbehrlich-Sein, alles Dinge, die Du für Dich in Anspruch nehmen könntest.
Tust Du aber nicht. Du bist da, und tust die Dinge, die notwendig sind.
Oft weit über deine eigenen Grenzen hinaus, so dass ich manchmal das Bedürfnis habe, dich zu bremsen. Immer antwortest du mir mit der Notwendigkeit der Sache gegenüber und schmunzelst ein bisschen und wir sind uns dann einig: „Ja, Martina Rauchfuß ist so wie sie ist, sie ist eine zuverlässige Burg, ein Fels in der Brandung und ein unermüdlich sich einsetzender Mensch.“
Wie könnte man besser definieren, dass jemandem das Bundesverdienstkreuz zusteht? Nicht dem offiziellen Teil, nicht dem Glamour-Teil, über den du und auch wir uns alle natürlich sehr freuen, gilt das Hauptinteresse.
In deiner Arbeit drückt sich die tiefe Sinnhaftigkeit und das Vorbild aus, der Frauengesundheit und damit unsere Gesellschaft in einer menschenzugewandten im besten Sinne humanistischen Form, wie du es tust, zur Verfügung zu stehen.
Wir danken dir.
Wir danken dir für deine Präsenz, für deine Einsatzbereitschaft und freuen uns sehr, dass dir die Ehre des Bundesverdienstkreuzes zuteil wird, auch wenn wir es nicht gebraucht hätten, um unsere Wertschätzung in aller Deutlichkeit immer und immer wieder zu formulieren.
Herzlichen Glückwunsch.

